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Verhüllungskunst in Halsheim

Wer zurzeit über die im Jahr 1718 erbaute Halsheimer Wernbrücke spaziert oder fährt, fühlt sich vielleicht an den im letzten Jahr verstorbenen Verhüllungskünstler Christo erinnert.

Christo verhüllte im Jahr 1985 die Seine-Brücke Pont Neuf – die älteste Brücke in Paris – mit über 40.000 Quadratmeter Gewebe.

Ganz so viel Material wurde für die Brücke in Halsheim zwar nicht benötigt, trotzdem ist die dreibögige Brücke aus Naturstein jetzt mit schwarzen Flies verhüllt.

Der Grund für die Verhüllung war aber in diesem Fall nicht, ein künstlerisches Highlight und eine Besucherattraktion für Halsheim zu schaffen. Es handelt sich hierbei um erste Vorbereitungen für die anstehende Sanierung des Bauwerks, die im Sommer dieses Jahres durchgeführt werden soll.

Praktizierter Artenschutz

Um den Natur- und Artenschutz gerecht zu werden, dürfen Arbeiten an Bauwerken nur vorgenommen werden, wenn dabei keine seltenen Tiere Schaden nehmen. Die Brücke in Halsheim ist seit vielen Jahren in desolatem Zustand, was an vielen offenen Fugen und Löchern, die durch herausgefallene Steine entstanden sind, erkennbar ist. Diese Lücken werden in der Brutzeit gerne von Vögeln und Fledermäusen zum Nestbau verwendet. Aktive Nistplätze würden aber aus Artenschutzgründen keine Bauarbeiten zulassen. Die Verhüllung mit Flies wurde nun angebracht, um zu verhindern, dass sich Tiere vor dem Baubeginn im Gemäuer einnisten. Vor einigen Jahren wurde das bereits bei der Sanierung der Gänheimer Wernbrücke erfolgreich praktiziert.

Bürgerliches Engagement ermöglicht Kostenreduzierung

Dank tatkräftiger Mithilfe einiger Halsheimer Bürger konnte die Verhüllung in Zusammenarbeit mit einem Mitarbeiter des Bauhofes der Stadt Arnstein – selbstverständlich unter Beachtung der vorgeschriebenen Hygieneregeln – an nur einem Tag bewerkstelligt werden. Das benötigte Material stellte die Stadt zur Verfügung. Durch die mit viel bürgerlichem Engagement eingebrachte Eigenleistung werden die Sanierungskosten der Stadt Arnstein reduziert.

Bei der Maßnahme handelt es sich nicht um einen Neubau, sondern um eine Bestandssanierung, durch die die Brücke wieder die vorher zugelassene Traglast von 12t erhalten soll. Aufgrund der vielen Schäden ist das Befahren der Brücke zurzeit nur für Fahrzeuge bis zu einer Tonne Gesamtgewicht gestattet.

Vor einigen Jahren haben Mitarbeiter des städtischen Bauhofes einen Bogen der Brücke mit einem Balkengerüst verspannt, um ein auseinanderfallen zu verhindern. Beim Anbringen der Verhüllung stellte sich heraus, dass diese Hilfskonstruktion mittlerweile ebenfalls sehr schadhaft ist und nicht mehr lange hält. Ein Grund mehr, mit der Sanierung möglichst bald zu beginnen.

Weg zwischen Brücke und Radweg wird erneuert

Zeitgleich mit der Erneuerung des Fahrbahnbelages auf der Brücke wird auch der stark geschädigte Betonweg von der Brücke bis zum Werntal-Radweg erneuert. Hierbei sollen die alten Betonplatten in kleine Teile gebrochen und wieder als Unterbau für den neuen Weg eingebracht werden.

Da die Brücke und der Weg während der Bauarbeiten für den öffentlichen Verkehr gesperrt werden, müssen Fahrzeuge, die auf die andere Seite der Wern fahren wollen, einen Umweg über Binsfeld oder über Müdesheim in Kauf nehmen. Für Fußgänger und Radfahrer soll in der Bauphase ein Behelfsübergang errichtet werden, damit man ohne größeren Umweg zu den südlich der Wern gelegenen Gärten und zum Werntal-Radweg gelangen kann.

Verhüllung nur von kurzer Dauer

Die Halsheimer Bürgerinnen und Bürger hoffen innständig, dass die Verhüllung ihrer Wernbrücke – so wie es auch stets bei den Verhüllungsaktionen des Künstlers Christo war – nur von kurzer Dauer sein wird und dass sie eines der Wahrzeichen ihres Dorfes bald ertüchtigt und in neuem Glanz erleben dürfen.

Übrigens:
Auch wenn es vielleicht naheliegend erscheint, ist es doch nur ein Gerücht, dass die Farbe schwarz für den Umhüllungsstoff gewählt wurde, weil die lange Zeit, in der in Halsheim schon sehnlichst auf die Sanierung ihrer Brücke gewartet wurde, einem Trauerspiel gleicht. Im Baustoffhandel war schlicht und ergreifend kurzfristig keine andere Farbe erhältlich.